TITELKAMPF IM FOKUS: ALEX MOHR UND DIE GELASSENHEIT DES TABELLENFÜHRERS

Die Titelkandidaten im Fokus: Mit 147 Punkten reist Alex Mohr (TOPCAR sport) als Tabellenführer zum großen Saisonfinale auf den Nürburgring. Warum er vor der großen Entscheidung ganz cool bleibt.

Alex Mohr lässt sich nicht aus der Ruhe bringen. Selbst in Drucksituationen ist der 17-Jährige aus dem Taunus ganz cool. Das hat sich im Cockpit ausgezahlt. Nachdem er lange Zeit als die Konstanz in Person galt, brannte er beim Saisonauftakt auf dem Hockenheimring Baden-Württemberg ein Feuerwerk ab und gewann beide Läufe.

Es folgten gleich vier zweite Plätze im Laufe der Saison, zuletzt zwei auf dem Salzburgring. Unaufgeregt, konstant und immer schnell – Alex Mohr fiebert in jeder Hinsicht seinem Vorbild und Förderer Timo Bernhard nach. Entsprechend lässt er sich auch vom bevorstehenden Titelkampf nicht nervös machen, denn das Gefühl kennt er bereits.

Frage: "Blicken wir zurück auf die bisherige Saison: Was war Dein persönliches Highlight 2026?"
Alex Mohr: "Für mich waren die erste Pole-Position des Jahres und die beiden Auftaktsiege in Hockenheim ein echtes Highlight. Auch das erste Rennen in Oschersleben fand ich sehr gut – da sind wir extrem taktisch gefahren und haben uns im Sinne der Meisterschaft klug zurückgehalten. Die beiden zweiten Plätze zuletzt auf dem Salzburgring waren für uns als Team ebenfalls enorm wichtig."

"Neben der Performance auf der Strecke gibt es aber noch ein ganz persönliches Highlight: Dass mein Bruder in Oschersleben mit im Grid stand. Es ist ein unglaubliches Gefühl, ein Rennen gegen den eigenen Bruder zu fahren. Das hatten wir zwei-, dreimal im Kartsport, aber eben noch nie im Tourenwagen."

Frage: "Die Abstände an der Spitze sind so eng, dass die Top-3 den Titel aus eigener Kraft holen können. Wie geht man mental in so ein Wochenende – rechnet man im Cockpit mit?"
Mohr: "Da hilft mir meine Erfahrung aus dem Kartsport, den ich seit meinem achten Lebensjahr betreibe. Ich bin schon in viele Endläufe gegangen, in denen es am Ende des Tages um einen Titel ging. Ich blende diese ganze Diskussion vollkommen aus. Ich setze mich ins Auto, gebe mein Bestes und am Ende schauen wir, was dabei herauskommt. Das ist meine große Stärke. Wenn du anfängst, in Punkten zu rechnen oder dich nur auf den Titel fixierst, hast du eigentlich schon verloren. Deshalb denke ich von Event zu Event – das ist für mich der beste Weg."

Frage: "Wie schmal ist am Finalwochenende der Grat zwischen kompromisslosem Angriff und klugem Risikomanagement?"
Mohr: "Der Saisonverlauf hat gezeigt, dass wir immer besonnen agiert haben. Wir sind letztlich nur das Risiko eingegangen, das absolut notwendig war. Ich habe eher die Befürchtung, dass die Konkurrenz etwas Unüberlegtes tut, was uns allen schaden könnte – gerade die Konstellation zwischen Moritz [Groneck] und Hannes [Ueberfeldt] fand ich auf dem Salzburgring grenzwertig. Wir gehen ins Rennen und schauen, wie es läuft. Wir werden so viel Risiko eingehen wie nötig, aber eben mit Verstand. So habe ich das eigentlich schon immer gehalten."

Frage: "Was würde dir der Gesamtsieg im ADAC Tourenwagen Junior Cup persönlich bedeuten?"
Mohr: "Ein Titel bedeutet mir natürlich extrem viel. Einerseits ist es eine Bestätigung der eigenen Leistung, andererseits aber auch eine Auszeichnung für die Mannschaft. Die Jungs standen das ganze Jahr wie eine Wand hinter mir und haben mich unterstützt – da möchte ich einfach etwas zurückgeben. Wie viele wissen, habe ich im Porsche- bzw. Volkswagen-Umfeld bereits Fuß gefasst. Wir können mit so einem Titel zeigen, was für eine tolle Serie der ADAC Tourenwagen Junior Cup ist und welches Sprungbrett er bietet."

"Deshalb ist es mir auch persönlich wichtig, die Serie gut zu repräsentieren. Neben den Ginettas in England, dem Mazda MX-5 Cup oder den Clios gehört der ADAC Tourenwagen Junior Cup für mich zu den stärksten Markenpokalen überhaupt. Das sollten wir noch viel stärker nach außen tragen – gerade auch, weil mein Bruder nächstes Jahr hier am Start sein wird."

Frage: "Was hat dich der ADAC Tourenwagen Junior Cup in dieser Saison gelehrt?"
Mohr: "Nach dem Kartsport war der ADAC Tourenwagen Junior Cup genau der richtige, logische Schritt. Das haben wir gemeinsam im Team und mit Unterstützung von Timo Bernhard so entschieden. Man hat ein gut funktionierendes Fahrzeug ohne elektronische Fahrhilfen, das die Grundlagen des Automobilsports perfekt vermittelt. Das reine Racing kannte ich aus dem Kart, aber wie man diese Regeln auf das Tourenwagenzeitalter überträgt und erste Schritte bei der Fahrzeugabstimmung macht – das lernt man hier optimal."

Frage: "Wie schätzt du deine beiden Titelkonkurrenten ein?"
Mohr: "Ich schätze Moritz und Linus als extrem stark ein. Jeder von beiden hat seine ganz eigenen Stärken und Schwächen. Am Ende gehört zu einem Meisterschaftsgewinn aber auch das nötige Quäntchen Glück. Fahrfehler, Technik, Wetter – da ist am Nürburgring alles drin. Wir nehmen es, wie es kommt. Grundsätzlich hatten wir dieses Jahr aber ein richtig starkes Feld. Nicht nur wir drei waren in der Lage, Siege einzufahren – auch Fahrer wie Noah [Backmann], Mika [Delkus], Finn [Niklas Wollnik] oder Mattis [Bachnik] waren super unterwegs und hätten jederzeit gewinnen können."

Frage: "Ich werde Meister, weil…"
Mohr: "… ich riesigen Spaß an dem habe, was ich tue, und mich einfach unheimlich darauf freue, am Nürburgring wieder im Auto zu sitzen!"