Beinahe hätte Maurice Brinkmann (ADAC Westfalen) als erster Realfahrer einen Doppelsieg gelandet, doch Angelo Michel verhinderte im zweiten Rennen vier Minuten vor Schluss den Triumph des Westfalen. Spektakuläre Windschattenspiele prägten das Halbzeit-Event des ADAC Tourenwagen Junior Cup Digital auf dem Salzburgring.
Bereits im Qualifying deutete sich an, dass Angelo Michel zu alter Stärke zurückfinden würde. Der Simracing-Profi, der seit seinem „Grand Slam“ zum Saisonauftakt in Oschersleben zwar regelmäßig seine Teilwertung gewonnen, aber keinen Gesamtsieg mehr erzielt hatte, sicherte sich die Pole-Position für das erste Rennen mit einem hauchdünnen Vorsprung von 0,018 Sekunden vor Maurice Brinkmann.
Rennen 1: Brinkmann setzt sich früh ab
Maurice Brinkmann, der bereits am Nürburgring einen Laufsieg gefeiert hatte, übernahm beim fliegenden Start sofort in der ersten Schikane die Führung. Dieser frühe Vorstoß erwies sich als rennentscheidend, da hinter ihm umgehend intensive Positionskämpfe entbrannten, die das Verfolgerfeld Zeit kosteten.
So geschah das im Vorfeld für fast unmöglich Gehaltene: Brinkmann setzte sich noch in der ersten Runde so weit ab, dass der Windschatten für seine Verfolger abriss. Von da an kontrollierte er das Geschehen an der Spitze souverän. „Ich war froh, dass ich vor Angelo in die erste Kurve kam und mich absetzen konnte. Vorne wegfahren liegt mir eigentlich am meisten“, resümierte Brinkmann nach seinem zweiten Saisonsieg.
Dahinter entbrannten die erwarteten Windschattenschlachten. Auf der Gegengeraden wechselten die Platzierungen vor der Fahrerlagerkurve permanent. Zeitweise rasten drei der 150 PS starken VW up! GTI nebeneinander auf die gefürchtete Hochgeschwindigkeits-Rechtskurve zu.
Die Vorentscheidung im Kampf um die weiteren Podestplätze fiel jedoch bei Rennhälfte in der Schikane nach Start/Ziel. Nach einer Berührung zwischen Gabriel Schmidt und Florian Rauhe (SRR - SchausRauhe Racing) drehte sich Rauhe auf der Strecke. Der direkt dahinter fahrende Michel konnte nicht mehr ausweichen – die daraus resultierenden Kollision warf ihn bis auf den 15. Platz zurück. Sowohl Rauhe als auch Michel starteten eine beeindruckende Aufholjagd und beendeten das Rennen noch auf den Plätzen neun und zehn.
Nachdem sich die Situation sortiert hatte, sicherten sich Leon Hasenkamp (Lübbecker Automobil Club e.V. im ADAC) und Finn Grube (AMC Ingelheim Eagles eSports) die Plätze zwei und drei. Hasenkamps beeindruckende Siegesserie endete damit nach drei Erfolgen in Folge, doch mit dem zweiten Gesamtrang und dem Sieg in der Ortsclub-Wertung konnte er einen weiteren Erfolg für sich verbuchen.
Rennen 2: Taktik-Meisterleistung von Michel
Im zweiten Lauf drehten sich die Vorzeichen an der Spitze: Diesmal sicherte sich Brinkmann die Pole-Position mit 0,043 Sekunden Vorsprung auf Michel. Das Duo setzte sich schnell vom restlichen Feld ab, in dem erneut hart um jede Position gekämpft wurde.
Michel bewies seine taktische Klasse und griff nicht sofort nach der Führung. Stattdessen arbeitete er mit Brinkmann zusammen, um den Vorsprung auf die Verfolger stetig auszubauen. Erst vier Minuten vor Ende der Fahrzeit setzte er zum entscheidenden Manöver an. „Ich habe gemerkt, dass es auf der Außenbahn nur mit höchstem Risiko gereicht hätte. Deshalb bin ich im letzten Moment auf der Geraden nach innen gezogen – das hat hervorragend geklappt“, erklärte Michel seinen Weg zum dritten Saisonsieg.
Brinkmann versuchte unmittelbar zu kontern, geriet jedoch vor der Zieleingangsschikane mit zwei Reifen ins Gras und musste den Weg durch das Kiesbett wählen. Damit war die Entscheidung zugunsten von Michel gefallen.
Im Kampf um den verbliebenen Podestplatz kam es zu dramatischen Szenen. Leon Hasenkamp wurde dabei unverschuldet in eine Kollision verwickelt und kam lediglich auf Rang zwölf ins Ziel. Den dritten Platz sicherte sich schließlich Ben Gallert (ADAC Nordrhein), der damit sein erstes Podium der Saison feierte. Seine Kontrahenten Gabriel Schmidt und Finn Grube gerieten in der letzten Runde aneinander, wodurch Grube noch auf den sechsten Platz zurückfiel.
Als Pechvögel des Abends erwiesen sich zwei Realfahrer: Sowohl Ben Bendler (Lübbecker Automobil Club e.V. im ADAC) als auch Maxim Felix Dacher (ADAC Sachsen) verloren in beiden Rennen aussichtsreiche Platzierungen durch Zwischenfälle.
Die nächste Station des ADAC Tourenwagen Junior Cup Digital ist der Hockenheimring am 11. Februar 2026.

