Grandioser Simracing-Sport von der ersten bis zur letzten Kurve, spektakuläre Windschattenduelle und ein junger Mann, der in der virtuellen Steiermark über allem stand: Leon Hasenkamp (Lübbecker Automobil Club e.V. im ADAC) dominierte das Geschehen beim dritten Lauf des ADAC Tourenwagen Junior Cup Digital.
Obwohl es erst der dritte Rennabend der noch jungen Serie war, untermauerte die digitale Meisterschaft auf dem Red Bull Ring ihr hohes sportliches Niveau. Leon Hasenkamp krönte seine Leistung mit dem zweiten „Grand Slam“ der Seriengeschichte, nachdem Angelo Michel bereits beim Saisonauftakt in der Motorsportarena Oschersleben alle verfügbaren Punkte abgeräumt hatte. Wie im realen Vorbild wurde nun zweimal die Idealpunktzahl von 52 Punkten erzielt.
Hasenkamp feierte im ersten Rennen einen souveränen Sieg mit einem Rekordvorsprung von 9,113 Sekunden. Im zweiten Lauf fiel der Abstand mit 1,777 Sekunden zwar deutlich knapper aus, dennoch kontrollierte der Pilot aus der Ortsclub-Wertung das Geschehen zu jeder Zeit souverän.
"Der Saisonauftakt war etwas schwierig, aber seit dem Nürburgring bin ich richtig im Rhythmus", kommentierte der Rallyepilot vom ADAC Ostwestfalen-Lippe seinen Erfolg. Mit dem Doppelsieg in Österreich sicherte er sich zudem den ersten Hattrick der Serie, da er bereits den zweiten Lauf auf dem Nürburgring für sich entschieden hatte.
Rennen 1: Hasenkamp fährt dem Chaos davon
Von der Pole Position aus kontrollierte Hasenkamp das Feld beim fliegenden Start und zog das Tempo erst sehr spät an. Durch diesen taktischen Kniff verweigerte er den Verfolgern den nötigen Windschatten und konnte sich bereits in der ersten Runde entscheidend absetzen.
Begünstigt wurde seine Flucht durch turbulente Szenen im Verfolgerfeld. Der zweitplatzierte Maurice Brinkmann (ADAC Westfalen) erwischte einen schwierigen Start und fiel in der ersten Runde bis auf Rang fünf zurück. Während Angelo Michel, Maxim Felix Dacher (ADAC Sachsen) und Dean Olbrich (MSC Oschersleben e.V.) vorbeizogen, verstrickten sie sich umgehend in intensive Positionskämpfe.
Besonders Dean Olbrich zeigte sich angriffslustig und passierte innerhalb von nur zwei Kurven sowohl Michel als auch Dacher. Beim Versuch, den Anschluss an Olbrich zu halten, geriet Maurice Brinkmann mit Dacher aneinander und fiel bis auf Platz sieben zurück. Das Feld blieb jedoch dicht gestaffelt: Die Kampfgruppe um das Podium erstreckte sich zeitweise von Platz zwei bis Platz zehn.
Im fünften Umlauf überschlugen sich die Ereignisse. Nach Berührungen mussten sich Finn Grube (AMC Ingelheim Eagles eSports), Jan Noller (Noller Racing) und Maxim Felix Dacher aus dem Kampf um die Podestplätze verabschieden. Zwar konnten alle drei das Rennen fortsetzen, die Chancen auf ein Top-3-Ergebnis waren jedoch dahin.
Durch diese Ereignisse lösten sich Olbrich und Michel aus der Gruppe. „Es ging mir nur darum, diese Kämpfe irgendwie unbeschadet zu überstehen, statt mich auf eine Attacke nach vorne zu konzentrieren“, gab Michel nach dem Rennen offen zu. Ein später Angriff auf Olbrich scheiterte, als Michel mit zwei Rädern ins Gras geriet. Er brachte den dritten Platz hinter Hasenkamp und Olbrich sicher ins Ziel.
Rennen 2: Revanche für Brinkmann und Grube
Maurice Brinkmann, der im ersten Lauf noch Vierter geworden war, meldete sich im Qualifying für das zweite Rennen stark zurück und machte den Kampf um die Pole spannend. Er verpasste sie letztlich nur um hauchdünne 0,056 Sekunden gegen Hasenkamp.
Anders als im ersten Durchgang verteidigte Brinkmann beim Start seinen zweiten Platz und setzte sich gemeinsam mit Hasenkamp vom Feld ab. „Wir standen miteinander in Verbindung und einigten uns darauf, erst einmal gemeinsam vorne wegzufahren“, erklärte Hasenkamp die Strategie der beiden Spitzenreiter.
Der Plan ging auf: Das Duo distanzierte den Rest des Feldes deutlich. Obwohl Brinkmann den Druck auf Hasenkamp hochhielt, ergab sich keine Chance für ein ernsthaftes Überholmanöver. Mit dem erneuten Sieg sicherte sich Hasenkamp die Idealpunktzahl von 52 Punkten.
Dahinter riss die Podiumsserie von Angelo Michel. Finn Grube zog in der zweiten Runde an ihm vorbei und gab den dritten Platz bis zum Ziel nicht mehr ab. Trotz des verpassten Podiums sicherte sich Michel erneut den Sieg in der Wertung der Simracer.
Ein starkes Ergebnis feierte dort auch Gabriel Schmidt, der sich nach packenden Zweikämpfen, die den ADAC Tourenwagen Junior Cup Digital charakterisieren den fünften Gesamtrang erkämpfte. Die Spannung dürfte auch beim kommenden Event auf dem Salzburgring hoch bleiben: Auf der Hochgeschwindigkeitsstrecke wird der Windschatten eine noch entscheidendere Rolle spielen, wenn die erste Saison der Simracing-Serie ihre Halbzeit erreicht.

